Dienstag, 16. April 2013

Der Quilotoa-Loop: Tigua 3500 m.ü.M

Hola amigos, que tal?

Im Moment befinde ich mich auf dem Quilotoa-Loop, welcher sich, von Latacunga aus, in einem Kreis (Loop) über oft mit riesigen Schlaglöchern versehene Stassen durch viele kleine indigene Dörfer führt, und wieder in Latacunga endet. Für diese letzte Reise in der Sierra Ecuadors nehme ich mir nochmals fünf Tage Zeit. Danach geht's ja in tiefere Gefilde, auf die Galapagos.

Der erste Abschnitt führte mich noch auf einer asphaltierten Strasse in die Posada de Tigua, welche in der Nähe der Comunidad Tigua liegt. Ich nahm den Bus ab Latacunga und zum ersten Mal war ich der einzige Ausländer im Bus, alle anderen waren Leute indigener Abstammung. Natürlich wird man da schon ab und zu komisch angestarrt. Mit einiger Verspätung und langsam mürrischen Passagieren ging's dann endlich los. Die Posada liegt irgendwo an der Strasse und sicherheitshalber sagte ich dem Busbegleiter, wo er mich bitte absetzen soll. Der Weg führte dann einmal mehr hoch in die Bergen hinauf und es boten sich mir wieder wunderschöne Ausblicke ins Tal und in die umliegenden Berge. Unterwegs bemerkte ich, dass ich doch nicht der einzige Gringo im Bus war, da sassen noch zwei aus Berlin, welche aber bis nach Zumbahua fuhren. Nach ca. zweistündiger Fahrt setzte mich der Bus dann ganz alleine irgendwo an der Strasse ab, der Fahrer zeigte ungefähr in eine Richtung und fuhr weiter. Also folgte ich der angegebenen Richtung und fand tatsächlich nach ca. 20 Minuten die Posada de Tigua, mein Zuhause für die nächsten zwei Nächte.

Die Posada ist eigentlich ein Milchwirtschaftsbetrieb, welcher zusätzlich noch Zimmer vermietet inkl. Morgen- und Abendessen. Auf dem Hof gibt es allerlei Tiere: Kühe, Pferde, Hühner, Enten, Esel, Lamas, Apakas und Hunde, man stelle sich vor, bei meiner ankunft wurde ich von einem riesigen Berhardiner namens Benjamin stürmisch empfangen. Die ganze Atmosphäre auf dem Hof ist sehr friedlich, die Tür stand einfach offen und ich ging also mal rein. Erst war keiner da, doch irgendwann erschien dann die Hausherrin Margarita und begrüsste mich freundlich. Trotz der Kälte draussen, wir befinden uns hier immerhin auf weit über 3000 m.ü.M, war es im Haus stets wohlig warm, da immer ein Feuer brannte. Mein Zimmer war klein, aber sehr heimelig, mit 60cm dicken Wänden und eigenem Bad. Ich fühlte mich gleich wohl. Da gerade das Mittagessen aufgetischt wurde, begab ich mich erst mal ein wenig nach draussen und wanderte ein wenig herum. Auf dem Hof arbeiten viele indigene Familien und alle begrüssten mich sehr nett. Der Hof liegt wirklich sehr abseits und völlig verlassen: kein Telefonempfang, kein Fernsehen und natürlich auch kein Internet. Aber es war schon gut so.

Am Abend kehrten dann noch zwei Engländer und ihr Guide aus Quito von ihrem Ausflug zurück und zusammen nahmen wir ein sehr gutes Nachtessen ein und redeten noch ein bisschen miteinander. Dann gingen wir recht früh zu Bett, denn es gab ja nicht so viel zu sehen, wenn es erst mal dunkel ist. Ich hatte eine wunderbare Nacht und genoss die Stille und das wunderbar weiche Bett mit warmen, schweren Bettdecken.


Quilotoa 3914 m.ü.M

Der zweite Tag in der Posada de Tigua begann mit einem herzhaften Frühstück mit Milch, Joghurt und Butter vom eigenen Hof. Dazu gab es Eier, Brot und eine Art Caramel, welche aufs Brot gestrichen wird - das Frühstück war ganz fein. An diesem Tag wollte ich nach Zumbahua fahren und von dort weiter nach Quilotoa zum Kratersee. Marco, der Hausbesitzer gab mir noch den Tipp für eine wunderschöne Wanderung von der Lagune durch den Cañon de Toachi zurück zur Posada und zeichnete mir eine grobe Karte mit dem Weg drauf. Nach der Verabschiedung meiner drei Mitbewohner, welche weiterzogen, begab ich mich wieder zur Hauptstrasse in der Hoffnung, einen Bus anhalten zu können. Hier fahren stündlich Busse durch, wann genau, weiss man aber nicht. Man muss einfach sein Glück ausprobieren und sich ein wenig durchfragen. Nach ca. einer halben Stunde kam tatsächlich ein Bus, ich winkte wie verrückt und er fuhr prompt an mir vorbei. Wenn der Bus voll ist, haltet er nämlich nicht. Man soll gefälligst den nächsten nehmen. Ich fragte dann noch einige Indigene, aber keiner konnte so richtig Bescheid geben. Schliesslich kam dann doch noch ein Bus und der nahm mich dann auch mit. Selbstverständlich war ich wieder der einzige Gringo weit und breit. Das ist übrigens hier kein Schimpfwort, sondern bezeichnet einfach ein bisschen belustigend die Ausländer. Ich wendete mich dann an einen mir nahe sitzenden Herrn, wo ich denn bitte aussteigen muss und wann ich zu bezahlen habe. Er setzte sich dann gleich zu mir hin und unterhielt sich noch ein bisschen mit mir. Miguel sprach ganz wenig englisch und freute sich tierisch, sich mit mir zu unterhalten. In Zumbahua stiegen wir dann aus und er half mir, eine günstige Fahrgelegenheit nach Quilotoa zu finden, ein Truck fuhr mich für 3 Dollar hin, was ein guter Preis war - der Bus ist zwar günstiger, fährt aber nur einmal am Tag. Es ging noch höher hinauf bis knapp 4000 m.ü.M. Dort stieg ich dann aus und prompt erwartete mich Miguel wieder. Er zeigte mit ein Hostal, wo ich für 30 Dollar einen Guide finden würde, der mich auf dem Weg zurück begleitet. Erst war ich etwas misstrauisch, aber der Besitzer des Hostals war gut mit Margarete von der Posada de Tigua bekannt, und da ich mir sowieso nicht ganz zutraute, den weg alleine zurückzuwandern, mit nur einer grob gezeichneten Karte, nahm ich das Angebot an. Dann ging natürlich noch zum Mirador des Kratersees. Der See ist wirklich wunderschön und das Wasser so grün, wie auf den Bildern. Man vermutet, dass der See sehr tief ist. Aber mehr dazu nächstes Mal.

Nach einem stärkenden Mittagessen machte ich mich mit Fernando, meinem Guide, auf den Weg. Die Wanderung war sehr schön und führte durch eine riesigen Cañon, den wir hinab und am anderen Ende wieder hinauf stiegen. Es war nicht mal so anstrengend, weil wir ja mehrheitlich hinabstiegen. Unterwegs konnte ich mit Fernando auch ein wenig mein Spanisch üben, obwohl er eigentlich als Muttersprache kichwa spricht. Das war recht lustig, denn kichwa nur schon auszusprechen, ist für mich schon fast unmöglich, geschweige denn mir ein paar Worte zu merken. Also blieb ich beim Spanisch. Die Wanderung war sehr kurzweilig und nach fünf Stunden kamen wir bei der Posada de Tigua müde aber zufrieden an. Mein Guide musste jetzt natürlich wieder den ganzen Weg zurück. Deshalb gab ich ein gutes Trinkgeld, damit er sich den Bus leisten kann. Ich glaub, hier ein bisschen mehr Geld auszugeben ist am richtigen Ort investiert, denn die Indigene Bevölkerung lebt sehr einfach. Fernando erzählte mir, dass er sechs Kinder hatte, nur drei haben aber überlebt. Trotzdem scheinen sie aber zufrieden mit ihrem Leben zu sein.

Vor dem Abendessen gabs noch einen lustigen Zwischenfall: genau in dem Augenblick, als ich mich ins Esszimmer begeben wollte, gabs einen Stromausfall. und wenn es hier kein Licht gibt, dann ists wirklich stockdunkel und ich stand irgendwo zwischen Esszimmer und meinem Zimmer, völlig orientierungslos. Ich begann, mich ins Zimmer zurückzutasten, in der Hoffnung, nichts umzuwerfen. Schliesslich kam dann Marco mit einer Kerze und es wurde ein ganz romantisches Candlelight-Dinner, nur leider alleine. Leider kamen keine weiteren Gäste. Das war ein bisschen schade, aber es scheint halt wirklich noch nicht Reisesaison zu sein. Und geschmeckt hat's trotzdem. Um ca. 9.00 Uhr kam dann doch noch eine Familie aus Seatle an, so musste ich wenigstens das Morgenessen nicht alleine einnehmen. Da ich sehr müde von der Wanderung war, ging ich wiederum früh zu Bett. Am nächsten Tag soll's dann weiter nach Chugchilán gehen. Das sind übrigens alles Namen in der kichwa Sprache und sauschwer zu merken.

Ich bin froh, meine Reisepläne kurzfristig noch geändert zu haben, denn einen kleinen Einblick in das Leben der Indigenen Bevölkerung zu bekommen, ist wirklich ein einmaliges Erlebnis.

Ich würd mich jetzt gern in kichwa von euch verabschieden, kann ich aber nicht. Darum...

Hasta pronto y saludos cordiales
Mike

Von meinem iPhone gesendet

Kommentare:

  1. Hoi Mike. Mit Spannig erwart i immer Dini neue Reiseerläbnis. Dini Wanderschue händ sicher bald kei Sohle me bi däne viile Wanderige wo Du machsch ;-).
    Liebi Grüess Conny

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Conny. Die Wanderschuhe hatten die letzten Tage ein bisschen Pause, da auf den Galapagos eher Flipflops angesagt waren. Ab morgen geht es nach Peru und dort werden sie sicher wieder zum Zug kommen. Aber es geht ihnen immer noch prima.
    Liebe grüsse zum letzten Mal aus Ecuador
    Mike.

    AntwortenLöschen